„There is a crack in everything. That's how the light gets in. “
Leonard Cohen
Superwoman
und der Riss
In den Geschichten, in denen ich mitspielte, interessierte mich vor allem der Mensch. Jede gute Geschichte erzählt über Veränderung und Reifung. Am Ende bekommt die Heldenfigur nicht immer, was sie will, aber immer, was sie braucht.
Mich fasziniert die Frage: Was ist der Mensch bereit zu tun, um dazuzugehören? Welche Rollen übernimmt er dafür? Was liefert er wem?
Während meine Karriere nach außen hin erfolgreich verlief, rutschte ich während der Corona-Zeit unbemerkt ins Burnout. Auffällig waren zunächst körperliche Beschwerden und das Gefühl, mir selbst fremd geworden zu sein, obwohl ich teils lange Erträumtes erreicht hatte.
Beim Film gilt: "Geht nicht gibt's nicht."
Also glaubte ich, Stress sei nur eine Frage der Einstellung. Bis mir ein Arbeitspsychologe sagte: „Was Sie mir von Ihrer Branche erzählen, kocht selbst den härtesten Typen weich.“ Das fuhr mir regelrecht ein.
Gleichzeitig verschlechterten sich mein Gleichgewicht, mein Gang und meine Sprache. Auch konnte ich meine eigenen Notizen nur mit immer mehr Mühe entziffern. 2024 bekam das Ganze einen Namen: Kleinhirnatrophie. Atrophie heißt dabei so viel wie „Schwund“ oder „Rückbildung“. Nach heutigem Stand ist sie medizinisch nicht behandelbar. Die Ärztin reichte mir Taschentücher und zuckte die Schultern: "Da kann man nix machen." Ich war bisher nur einmal wieder dort. - Seither hole ich mir von vielen Seiten Unterstützung und lebe gleichzeitig mit dem Bewusstsein vielleicht in absehbarer Zeit nicht mehr laufen zu können.
Früher habe ich Schienen vor den fahrenden Zug gelegt. Heute fordert mich die Symptomatik jeden Moment ins Hier und Jetzt.
„Es kommt nicht darauf an, was für ein Blatt Karten Du auf die Hand bekommst, es geht darum, wie Du sie spielst.“
Nach meinem letzten Dreh Ende 2023 absolvierte ich Ausbildungen zum Coach und zur systemischen Organisationsberaterin sowie Weiterbildungen in Atmung & Meditation und hypnosystemischer Kommunikation. Nicht, weil ich einen neuen Beruf brauchte, sondern weil ich nicht länger Superwoman sein wollte. Ich wollte Sandra sein, und ich wollte weiterhin fundiert arbeiten und Menschen in für sie wesentlichen Veränderungsprozessen begleiten.
Inzwischen weiß ich, dass ich immer resilient war ohne es zu wissen. Resilienz ist ein Zaubertrank, wenn man ihn bewusst zu nutzen weiß.
Ein Therapeut sagte mal zu mir: „Es kommt nicht darauf an, was für ein Blatt Karten Du auf die Hand bekommst, es geht darum, wie Du sie spielst.“
In diesem Sinne.